BLU-RAY: BETRUG IM HANDEL?

BLU-RAY: BETRUG IM HANDEL?
The Revenant ist ein positives Beispiel für eine gute 4K Blu-ray Umsetzung. HDR und Auflösung steigern das Erlebnis im Heimkino. Hier zu sehen ist aber die Full-HD Blu-ray.

Dieser Text wurde am 7. Juni 2021 überarbeitet

Diesen Artikel schreibe ich aus zwei Gründen. Zum einen, da ich die Hintergründe zur folgenden Problematik selbst erlebt habe. Zum anderen, da ich als Konsument eine gewisse Qualität bei scheinbar hochwertigen Produkten erwarte. Aber der Reihe nach. Es geht um die Blu-ray und wie wir als Käufer der „HD-Scheibe“ ganz legal betrogen werden (können).

Wenn wir uns im Elektrofachhandel eine Blu-ray kaufen, können wir mittlerweile schon zwischen der „blauen“ und „schwarzen“ Variante wählen. Letztere verspricht mit Ultra-HD im Vergleich zur Standard Version eine höhere Auflösung und insgesamt eine bessere Bild- und Audioqualität. Soweit so gut. Könnte man meinen. Wenn ich aber jetzt einmal in den Raum stelle und behaupte, dass auf einer Blu-ray kein Full-HD Material verwendet werden muss, wie würdest Du reagieren? (Technische Erklärungen gibt es hier).

Ich gehe im Folgenden vereinfacht nur von der Standard Blu-ray aus und nicht von der 4K Version. Diese Disc kann maximal in Full-HD Filme abspeichern (der Standard unterstützt auch niedrigere Videoauflösungen) und auf einem entsprechenden Player wiedergeben. Dies ist auch im Regelfall so gegeben und wir sehen einen Qualitätsunterschied zur mittlerweile veralteten DVD.

Mit einer Blu-Ray kann man sein blaues Wunder erleben… – oder einen guten Film!

IRREFÜHRUNG DES KÄUFERS

Einige Produzenten aber scheuen die zusätzlichen Kosten für eine erneute hochauflösende Bereitstellung des Filmmaterials und bedienen sich – kein Witz – einfach der bereits vorhandenen DVD-Version. Der Film wird dann einfach beim Erstellen der Blu-ray auf Full-HD skaliert, sprich, die fehlende Auflösung wird digital hochgerechnet und ist daher keinesfalls vergleichbar mit einer echten HD-Version des Films. Fertig ist nun die Blu-ray. Besonders dreiste Studios greifen sogar zu noch schlechterer Qualität und lassen den Konsumenten mit einer Videoqualität der 80er Jahre sein blaues Wunder erleben.

Diese Praxis ist zwar gegenüber dem Kunden nicht fair, aber rechtlich erlaubt. Es gibt aktuell kein Gesetz, das vorschreibt, dass auf einer Blu-ray hochauflösendes Material verwendet werden muss. Nur wenn bei der Angabe der technischen Daten ebenfalls „geschummelt“ wird, kommt der Produzent in rechtliche Schwierigkeiten. Eine solche Angabe ist meines Wissens auf der Verpackung aber keine Pflichtangabe und wird auf vielen Blu-Rays auch nicht explizit angegeben. Und eines darf man nicht vergessen: Das Material liegt ja rein technisch gesehen normalerweise in einer hohen Auflösung vor, nur eben künstlich hochgerechnet von einem deutlich schlechteren Quellmaterial.

Ich selbst habe diese Vorgehensweise schon erlebt und kann versichern: Es lohnt sich für den Produzenten nicht. Denn bereits nach kürzester Zeit sind die Lagerregale wieder voll mit den zurückgesendeten Datenträgern. Im Schlimmsten Fall beschweren sich die Kunden und der Ruf ist dahin. Aber es gibt auch weniger auffällige Schummeleien, insbesondere beim neueren Standard der UHD-Blu-Ray. Viele der technischen Neuerungen sind für den normalen Nutzer kaum zu erkennen. Ideal, um ein wenig Geld in der Produktion einzusparen.

UHD – ULTRA HIGH DEFINITION

Alte Filme wurden in der Regel auf Band aufgezeichnet, welches sich durch nochmaliges Digitalisieren (Scannen) auch in sehr hohen Auflösungen und guter Qualität bereitstellen lässt. In der heutigen Digitaltechnik ist dies nicht ohne weiteres möglich und das Material ist ohne Qualitätsverlust nicht in höhere Auflösungen zu wandeln. Ein Nachteil der neuen Technik. Stellen Sie sich nur vor, man hätte Star Wars beispielsweise nur in DVD Standard digital gedreht – bei den heutigen Sehgewohnheiten eine mittlere Katastrophe. Von den Effekten gar nicht erst zu sprechen, wobei bei alten Filmen oft mit Modellen gearbeitet wurde und dies daher nicht so ins Gewicht fällt.

Aber selbst heute noch werden Filme oft nicht in nativem 4k gedreht. Die quasi-Standard-Kamera bei hochwertigen Kinofilmen, die Arri Alexa konnte dies bis vor einigen Jahren noch nicht einmal leisten. Mittlerweile aber bieten fast alle hochwertigen Kameras deutlich höhere Auflösungen. Hinzu kommt, dass viele Kinosäle noch immer mit 2k-Projektoren ausgestattet sind. Das führt dazu, dass manchmal das Master des Films nur in 2k produziert wird oder schon bei der Produktion auf 4k skaliert wird. Letzteres ist vor allem bei aufwändigen Effekten zu beobachten.

Auf einer Blu-Ray mit der schwarzen Box soll der Film aber laut Verpackung in UltraHD vorliegen. Das tut er in der Regel auch, jedoch manchmal auf Basis eines schlechteren Quellmaterials entstanden. Man muss hier aber klar sagen, dass der Unterschied zwischen HD und UltraHD für das Auge lange nicht so stark ins Gewicht fällt wie derjenige zur DVD. Die Qualität ist daher dennoch in den meisten Fällen sichtbar besser im Vergleich zur normalen Blu-ray.

DER GUTE TON

Zusätzlich ermöglicht der Blu-Ray-Standard auch Verbesserungen im Audio-Bereich, indem weniger stark komprimierte Audiospuren verwendet werden können. Auch Mehrkanal-Audio höher als 5.1 sind vorgesehen. Aktuell ist mit Dolby Atmos (Surround-Format, das objektbasiert arbeitet und die maximal möglichen Lautsprecher im Wiedergabesetup korrekt ansteuert) ein sehr hochwertiges Hörerlebnis möglich, das teilweise sogar das Kino in den Schatten stellt. Aber auch hier gilt: Alles kann, nichts muss. Während technisch die Blu-Ray mehr ermöglicht als die DVD, so muss dies seitens der Produzenten auch genutzt werden. Vor allem im Ton wird daher oft der Rotstift angesetzt und nur das Minimum verwendet, vor allem in den Synchronfassungen. Dolby Atmos wird meist nur in der deutlich teureren UHD-BluRay angeboten, um weitere Kaufanreize zu schaffen.

HDR – HIGH DYNAMIC RANGE

Ein weiterer Vorteil, der uns der neue Blu-ray Standard bieten kann ist die Darstellung eines Films in HDR. Das steht für „High Dynamic Range“, was so viel wie ein erhöhter Dynamikumfang, also die Differenz zwischen den hellen und dunklen Bildbereichen bedeutet. Bietet ein Film HDR und das Wiedergabegerät ist HDR-fähig, erleben wir einen sichtbar besseren Kontrast, Detailreichtum und ein sehr ausgewogenes Bild. Hier müssen aber alle Geräte von der Produktion bis zur Wiedergabe in der Lage sein, HDR zu verarbeiten. Das ist aufwändig und teuer und ist in der Praxis daher vergleichsweise selten.

Daher bedeutet HDR nicht gleich HDR. Oder anderes gesagt: Es gibt viele Qualitätsstufen, die von echtem HDR bis hin zum einfachen Anheben der hellen und dunklen Bildbereiche in der Nachbearbeitung geht. Das hat dann aber nichts mit einem erhöhten Dynamikumfang zu tun und verschlechtert das Bild zusätzlich. Es gilt daher genau darauf zu achten, wie der Film produziert wurde. Das aber kann man als Käufer leider in den meisten Fällen erst herausfinden, wenn die Disc bereits im Regal steht. Es gilt: Mal lohnt sich der Aufpreis, oft aber auch nicht. Zumindest was HDR angeht.

GENAU HINSCHAUEN. DANN LOHNT SICH DER KAUF!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich bei einigen UHD-Discs der Aufpreis zur normalen Blu-ray nicht lohnt, letztere aber immer der DVD vorzuziehen ist. Die technischen Möglichkeiten werden häufig nicht voll genutzt. Die zusätzlichen Kosten (die UHD-Version kostet oft das Doppelte) fließen an die Produktionsstudios und nicht in die Produktion an sich. In meinen Augen stellt der Verkauf von hochgerechneten Filmen und künstlich erzeugtem HDR eine bewusste Irreführung des Käufers dar. Denn wir erwarten zu Recht eine höhere Qualität bei einem höheren Preis. Ist der Film aber gut produziert und die passenden (teuren) Wiedergabegeräte stehen zur Verfügung, dann kann man tatsächlich eine bessere Qualität als in den meisten Kinos erwarten.

Da die genannte Problematik bei den großen Hollywood-Blockbustern keine Rolle spielt und in der Regel eine hochwertige Produktion zu Grunde liegt, kann man hier entspannt zuschlagen und erhält eine entsprechende Qualität mit höchstens Abzügen in der B-Note durch schlechtes HDR oder fehlende Unterstützung hochwertiger Audioformate. Anders kann es aber bei kleineren Produktionen wie Dokumentationen, Reisevideos oder auch Konzertmitschnitten aussehen. Es gilt wie sonst auch: Augen auf beim Kauf.

Zum Abschluss an alle Streaming-Liebhaber: Alleine durch die reduzierte Datenrate der Streaming-Angebote liefert noch immer die Blu-Ray das beste Ergebnis. Dolby Atmos ist zudem in Streaming-Inhalten sehr selten anzutreffen, am häufigsten noch in Netflix-Eigenproduktionen, die auf Disc nicht erhältlich sind.

Für weitere Hintergründe zum Thema Videoauflösung sieh Dir diesen Beitrag an.

Du möchtest eigene Inhalte auf Datenträger ausgeben? Wir helfen Dir dabei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*