RASSISTISCHER WERBECLIP VON VW

RASSISTISCHER WERBECLIP VON VW
Erste Erkenntnisse zum Golf-8-Werbevideo

Konzeption

Auch hier kann ich nur eine Vermutung anstellen bzw. eigene Erfahrungen schildern. Normalerweise sitzen in einer Werbeagentur viele kreative Köpfe, die versuchen mit möglichst interessanten Ideen virale Spots zu erschaffen. Abgestimmt auf die Zielgruppe und die Plattform gelingt das in der Regel auch. Manchmal aber verliert man das Gesamte aus dem Blick und verliebt sich zu sehr in seine zu komplizierte Idee. Kann das hier sein?

Ich möchte den Clip einmal aufteilen und nach den verschiedenen Signalen unterteilen. Vorstellen kann ich mir, dass die Aufschrift „Petit Colon“ (colon: französisch für Siedler. Daher hier eine Anspielung auf den Kolonialismus?) sowie die Buchstaben des einsetzenden Textes die zusammen das N-Wort bilden, tatsächlich einfach unbemerkt blieben. Gerade letzteres lässt sich nur sehr kurz erkennen und hier dürften gestalterische Gründe die Hauptintention gewesen sein. Wäre der Inhalt ein anderer und würde man den Text genau so einblenden, wäre das vermutlich niemandem negativ aufgefallen. Diese zwei genannten Punkte könnten daher einfach durch mangelndes Handwerk der Werbeagentur sowie schlechter Abnahme durch den Kunden unentdeckt geblieben sein.

Beim eigentlichen Inhalt des Videos – eine weiße Hand schubst einen schwarzen Mann – ist das aber nur schwer vorstellbar. Denkbar wäre, dass es durch viele Änderungen während der Produktion zu „unübersichtlich“ wurde und z.B. man für die Aufnahmen eine dunkelhäutige Person gewählt hat, um das Gegenteil des Clips zu demonstrieren. Aber selbst bei einem weißen Mann bliebe die Handlung des Herumschubsens noch immer zumindest grenzwertig. Dieser Gedankengang fällt mir daher beim Schreiben schon schwer…

Es muss jemandem zumindest die Gesamtheit der vielen rassistischen Anspielungen (manch einer erkennt sogar bei der Hand das „White Power Zeichen“ aus der Neonaziszene) aufgefallen sein, da es doch sehr offensichtlich ist und, wie bereits geschrieben, die eigentliche Werbebotschaft (zumindest für mich) nicht zu erkennen ist. Spätestens bei der Endabnahme hätte der Autobauer reagieren müssen.

Wer hat Schuld?

Aktuell [kurz nach Veröffentlichung] schiebt Volkswagen der Werbeagentur die Schuld zu: „Man müsste erwarten können, dass Inhalte dieser Art eine internationale, kompetente Agentur mit Hauptsitz in den USA gar nicht erst verlassen.“ erklärte ein Pressesprecher, aber gleichzeitig stellt der Betriebsrat auch interne Fehler fest. 

In den sozialen Netzwerken kursieren nun die Vorwürfe, der Clip sei in dieser Form Absicht gewesen oder VW „untergeschoben“ worden. Nun, ich schreibe aktuell einen Beitrag darüber und verbreite damit die Werbung. Skandale sind naturgemäß äußerst „viral“, haben aber meist auch eine sehr kurze Haltbarkeit. Soll heißen: Der Clip – ob beabsichtigt oder nicht – erzeugt aktuell eine enorme Reichweite. Diese ist logischerweise erstmal negativ, aber trotzdem nicht zu vernachlässigen. Dennoch fällt es mir schwer hier von Vorsatz zu sprechen und Volkswagen zu unterstellen, absichtlich eine solche rassistische Werbung zu veröffentlichen. Das passt für mich noch weniger als ein Versagen sämtlicher am Projekt beteiligter Personen. Eines von beidem trifft aber wohl zu.

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